Experteninterview mit Prof. Dr. Andreas Pasckert von der Hochschule Aschaffenburg und Prof. Dr. Peter Gordon Rötzel

03.03.2017 13:56

Welche Motivation haben Unternehmen Ihrer Erfahrung nach für den Umstieg auf HANA und S/4 HANA?

Prof. Dr. Andreas Pasckert: „Ein Umstieg auf HANA bietet vor allem Modernisierungs- und Performanceoptionen zur Beseitigung von Engpässen. S/4 HANA verschafft darüber hinaus eine Gelegenheit zum Aufbau strategischer Erfolgspotenziale. Aufgrund der weitgehenden Analyseoptionen von Massendaten sowie einer Möglichkeit zur Beschleunigung und Automatisierung von Transaktionen erhoffen sich Unternehmen die Schaffung wesentlicher Voraussetzungen zur Weiterentwicklung von Geschäftsmodellen, zur Digitalisierung von Geschäftsprozessen sowie zur Transformation von effizienteren Wertschöpfungsprozessen, wie sie im Rahmen des Begriffes Industrie 4.0 diskutiert werden.“

Prof. Dr. Peter Gordon Rötzel: „Die Beweggründe für einen Umstieg sind vielseitig. Oftmals scheuen vor allem mittelständische Unternehmen grundsätzlich die Migration von ERP-Systemen, da hierbei sehr viele Ressourcen gebunden werden und sowohl Kostensteigerungen als auch Terminverzögerungen auftreten können. Daher müssen aus meiner Sicht vor allem vor der Migration essenzielle Ressourcen in die Zielidentifikation und in die konkrete Operationalisierung fließen. Das Potenzial von S/4HANA und HANA ist erheblich, doch es gibt zu wenige Studien, die in der Breite die Erfolgsfaktoren für einen effizienten Umstieg untersuchen – genau da wollen wir ansetzen.“


Was sind Ihrer Erfahrungen nach die größten Herausforderungen von IT-Entscheidern im Umgang mit ihrem System?

Prof. Dr. Andreas Pasckert: „Eine zentrale Herausforderung ist die Sicherstellung von Compliance-Anforderungen. Die wesentliche Stärke von HANA und S/4HANA besteht in der Schaffung einer hohen Transparenz für die Anwender des Systems. Aber genau hierin liegt die Gefahr. IT-Entscheider sollten bei der Rollenzuordnung sehr genau beachten, welchem ERP-Benutzer welche Möglichkeiten am System eingeräumt werden.“

Prof. Dr. Peter Gordon Rötzel: „Das hängt davon ab. Wenn Sie in einer Branche tätig sind, die von einer hohen Marktdynamik und starkem technologischen Wandel gekennzeichnet ist, dann müssen Sie auch Ihr System up to date halten. Einerseits dürfen Sie wesentliche Neuerungen und Innovationen nicht „verschlafen“ (z.B. Cloud-Lösungen, Nutzung des Smartphones für ERP-Lösungen). Andererseits setzen sich einige Innovationen wiederum auch nur sehr schleppend bis gar nicht durch (z.B. Datenbrillen, Virtual Reality). Als IT-Entscheider muss man ständig abwägen, welche technologische Anpassung man mitnehmen sollte. Den entscheidenden Wettbewerbsvorteil bekommt man jedoch nur, wenn man frühzeitig mit seiner IT strategische Erfolgspotenziale heben kann, hierbei Geschäftsprozesse verschlankt und einen besseren Überblick über die „Datenschätze“ in seinem Unternehmen hat.“

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