Experteninterviews

Experteninterview mit David J. Berry

Drei Fragen an David J. Berry, Chief Information and Technology Officer, NomadCIO

1. Gibt es so etwas wie DIE EINE State-of-the-Art Technologie, die für die meisten Unternehmen den Umsatz-/Gewinnwachstum fördert?

Antwort DB: Die Integrationstechnologie kommt mir in den Sinn. Die meisten Unternehmen leiden unter einer Vielzahl von Systemen, unabhängig davon, ob es sich um Back-End- oder kundenorientierte digitale Lösungen handelt. Sie alle erfordern eine gewisse Integration. Unternehmen, die die Integration nicht in Echtzeit beherrschen, sind dazu verdammt, stehen zu bleiben.

2. Was sind die größten Stolpersteine in vielen Unternehmen bzw. besser gesagt: Warum dauert die Entscheidungsfindung so lange?

Antwort DB: Vorwärts gehen, riskieren, die erste in der digitalen Welt sein? Niemand will die Schuld auf sich nehmen, wenn es schiefgeht! Die meisten Technologieprojekte scheitern in der einen oder anderen Form. Ob es ein völliger Misserfolg ist oder nicht dem Hype, den Erwartungen entsprach. Auch bei öffentlichen Unternehmen, bedarf es einer gewissen Kontrolle auf der finanziellen Seite. Dies beinhaltet nicht nur die Kosten für die Implementierung, sondern auch einen quantifizierten Nutzen. Die Geschäftsleitung ist zurückhaltend, Mittel für ein Projekt einzusetzen, da sie tatsächlich Ergebnisse vorweisen muss! Daher erfordert ein Engagement auf der Management-Seite zuerst eine ernsthafte sorgfältige Prüfung eines Projektes vor dem Angang, und das braucht natürlich Zeit.

3. Wo liegen die Vorteile eines Interim CIO gegenüber einem angestellten CIO für ein Unternehmen?

Antwort DB: Der Interims-CIO hat kein "Gepäck". Es gibt keinen persönlichen Hintergrund und daher hat ein Interim CIO / CTO die Fähigkeit, die Probleme schnell zu verstehen. Ein wesentliches Merkmal eines Interim CIOs ist es, die Wahrheit zu sagen, was für permanente CIOs oder CTOs oft schwierig ist, weil es Konsequenzen für die Aufdeckung von Problemen, Schwächen usw. gibt. Diejenigen CIOs oder CTOs, die interne Audits in allen Bereichen der Technologie durchführen, werden besser positioniert sein als diejenigen, die dies nicht tun. Ich war schon immer der Meinung, dass die Interne Revision der beste Freund des CIOs im Unternehmen sein sollte, da sie einen unabhängigen Blick auf Systeme und Lösungen bietet, die sich auf die Kontrollen eines Unternehmens auswirken können. Ein weiterer Bereich, in dem ein Interim CIO Ergebnisse erzielen kann, ist die Organisation. Eine unabhängige Sicht auf Talente ist ein Schlüsselfaktor für Interim CIOs.

Experteninterview mit Peter Kogel

Drei Fragen an Peter Kogel, Managing Partner, Gründer und Initiator des CIO Roundtable Hamburg

1. In der Vergangenheit hat SAP erfolgreich Lizenznachzahlungen bei großen Unternehmen eingeklagt. Um die Problematik von Indirect Access zu regeln, erarbeitet SAP eine neue Lizenzpolitik. Wie sieht das neue Lizenzmodell von SAP aus und was bedeutet es für SAP Kunden?

Antwort PK: In der Zukunft wird es zwei wesentliche Unterschiede geben, den „human access (direkter Zugriff)“ und den „digital access (indirekter Zugriff)“.

  • Direkter Zugriff/Human Access erfolgt, wenn ein Nutzer auf den digitalen Kern von SAP über eine Schnittstelle zugreift, die mit oder als Teil der SAP-Software bereitgestellt wird.
  • Indirekter Zugriff/Digital Access erfolgt, wenn Geräte, Bots oder automatisierte Systeme auf den digitalen Kern zugreifen, oder wenn Personen, Geräte oder Systeme den digitalen Kern indirekt über eine zwischengeschaltete Software eines anderen Anbieters nutzen – zum Beispiel ein Nicht-SAP-Frontend, eine eigenentwickelte Kundenlösung oder die Anwendung eines Drittanbieters.

Generell betrifft die neue SAP-Lizenzpolitik alle SAP- Kunden, also sowohl die Großunternehmen, als eben auch die zahlreichen mittelständischen Unternehmen, die vor allem Lösungen von

  • SAP-Partner, also sogenannte Add-Ons einsetzen,
  • aber auch zahlreiche Z-Programme (es gibt Kunden mit mehr als 10.000 Z-Programmen) und
  • die Modifikationen entwickelt haben oder mussten, weil die Funktionalität NICHT vorhanden war,

die nun Lizenzpflichtig werden, aber aus dem Tagegeschäft der Unternehmen „nicht wegzudenken“ sind! Hierfür haben die Unternehmen keine Lösung und kennen aktuell auch noch nicht die Risiken der SAP-Lizensierung!

Es herrscht Unsicherheit bei den Kunden und die Zurückhaltung mit der SAP über diese „Nutzung“ zu sprechen, weil die Unternehmen keine „schlafenden Hunde wecken wollen“!
Angebracht wäre es, wenn SAP hierfür den Kunden eine Art „Zugriffs-Checkliste“ an die Hand geben würde, sodass die SAP-Kunden in Eigenregie vorab prüfen können, ob die „Compliance“ intern gegeben ist und KEINE „Lizenzverletzung“ vorliegt. Dann könnten Kunden entscheiden, wo diese welchen Handlungsbedarf haben. Wir haben für unsere CIO ROUNDTABLE-Mitglieder eine solche Checkliste erstellt und unseren Mitgliedern beim CIO ROUNDTABLE an die Hand gegeben, um dann diese Themen mit den Mitgliedern zu klären.

2. Wie können SAP Kunden die gesetzlichen Anforderungen der neuen DSGVO kostenfrei und effizient umsetzen?

Antwort PK: Seit kurzem stellt SAP seinen Kunden im Rahmen der Softwarewartung Werkzeuge zur Verfügung, die die Umsetzung der DSGVO-Vorgaben vereinfachen.

Konkret hat SAP die Lizenz für SAP NetWeaver Runtime um die Retention-Management-Funktionen von ILM erweitert. Mit dieser Lösung und weiteren Standardfunktionen der SAP-Software – wie beispielsweise dem Berechtigungsmanagement – ist es möglich, die Projekte zur Realisierung der technischen und organisatorischen Maßnahmen zur neuen EUDSGVO in den Firmen umzusetzen.

3. Sie sind Gründer und Initiator des CIO Roundtable Hamburg, einer Plattform zum fachlichen Erfahrungsaustausch für IT-Verantwortliche. Welchen Vorteil haben Mitglieder und wie wird man Mitglied?

Antwort PK: Mit zunehmender Dynamik werden CIOs in Ihrem IT-Alltag immer wieder mit neuen, sehr umfangreichen und dringenden Fragestellungen aus dem Unternehmen, vom Markt, den Kunden oder Lieferanten konfrontiert.

Um mit der sich verändernden dynamischen Arbeitswelt und der wachsenden Vernetzung und zunehmenden Informationen Schritt zu halten, hat der CIO ROUNDTABLE  in verschiedenen Regionen sich zum Ziel gesetzt, die CIOs in die komfortable Lage zu versetzen, auf spezielles Expertenwissen sofort zugreifen zu können.

Über die CIO ROUNDTABLE Kooperations-Plattform sind diese mit anderen CIOs 24/7 vernetzt und können komplett mobil das Expertenwissen dieses Netzwerks „anzapfen“, Fragestellungen erörtern, sich speziellen Gruppen zuordnen und das jederzeit und an jedem Ort.

Für ausgewählte thematische Impulse nutzen die CIOs die Abendveranstaltungen im vertrauten und diskreten Kreis mit ca. 15 anderen CIOs für einen regen ersten Austausch.
Somit bauen sich CIOs ein regionales Netzwerk für Ihre Vorhaben auf, jeder steht dem anderen CIO als „Anwender-Referenz“ zur Verfügung.

Haben die CIOs mehr Informationsbedarf, dann besuchen Sie die speziellen Workshops des CIO ROUNDTABLEs. An einem Nachmittag erweitern Sie Ihr Wissen zu Ihnen wichtigen Themen und knüpfen auch hier Kontakte zu anderen CIOs aus Ihrer Region und nutzen das Wissen und die Erfahrung anderer CIOs.

Mit einem Jahresbeitrag von 600 Euro kann sich der CIOs als Mitglied eintragen lassen.

Die Fragen stellte: Birgit Kasimirski, West Trax

Expert interview with Rick Felt

Three questions put to Rick Felt, President / Publisher - BTT & In-Memory Apps Institute

1. What are the greatest benefits BTT can offer to German/European customers?

Answer RF: Business Transformation Today’s (BTT) mission is to provide intelligence for management decisions in the digital economy, for SAP customers to gain competitive advantage. One of BTT’s greatest customer benefits is our partnership with West Trax for customer migrations to SAP HANA and S/4HANA. The partnership provides BTT’s West Trax intelligence for ERP system maturity KPI benchmarks in a customized Executive dashboard. C Suite, and their teams, use this to determine digital transformation needs to migrate and consider gaps to measured best practices to plan to budget.

BTT’s West Trax dashboard provides the richest set of independent KPI maturity benchmarks on the planet - built on 1,640 West Trax SAP ERP system migration assessments in 15 industries. This is not SAP marketing. The intelligence opens the door to decisions to run the automated migration assessment, West has proven to save up to 70% of money & time spent in face2face assessment workshops that run upwards of 12 months.

Customers gain consistent, reliable information, in the BTT West Trax dashboard. BTT proprietary algorithms provide reliability that powers West Trax benchmarks which are updated as new assessments are produced. “As Is” migration intelligence and BTT’s “What If” configurator reduce customer risk for cost-effective results.

When the executive level Future Readiness Assessment is run, the BTT dashboard reveals your ERP system landscape vs. measured best practices … where you are ahead, behind or exactly on target.

A terrific new BTT benefit emerges during SAP SAPPHIRE 2018 … one-of-a-kind BTT migration assessment problem solving Q&A innovation Forums, plus a Think Tank for thought leaders and doers. This is hosted in the digital IT Toolbox at Ziff Davis Tech (ZDT). Q&A covers 30 topic areas led by West Trax experts and SAP services business partners, for collaborative customer innovation. ZDT serves 47 million IT business decision-makers and technical professionals and the BTT section is designed for acceleration before customers are disrupted by competitors.

Red Hat is the Linux brand preferred by enterprises and Linux is required to run SAP HANA. West Trax and Red Hat provide Red Hat Results2Advice (R2A) insights and knowledge in the West Trax automated migration assessment. The R2A is a vital customer benefit in the BTT intelligence subscription’s Forums and Think Tank.

All these benefits are wrapped in a remarkable value – the BTT intelligence subscription is sponsored by SAP business partners … thus, free of cost and customers can’t get this anywhere else. The result is a clear roadmap for significantly faster, highly economical migration assessments, for SAP HANA and S/4 decisions.

2. What do you tell/ how do you advise customers, who are reluctant to take the first steps on the journey to SAP HANA and S/4 HANA?

Answer RF: BTT advises SAP customers to move with simple, effective first steps today - before being disrupted by a competitor. These things are happening faster than ever. Whether a multinational enterprise, or vendor to large global enterprises, every business is becoming a software business. The dynamic is clear; SAP cites analysts who predict that 40% of the S&P 500 won’t exist by 2020.

West Trax-trained experts operate in BTT’s In-Memory Apps Institute, to help customers discover the first steps via the BTT intelligence subscription, to help Sr. Executives protect their sizable SAP investment. Steps we recommend – below - enable SAP customers to evaluate an economical Future Readiness Assessment which can be completed in less than 1 week.

This Readiness assessment is simplified via the West Trax cloud app. It runs right on your smart phone and opens the door to business value realization with apps & services designed for SAP’s Digital Business Framework, on SAP HANA. The Framework enables reduced business costs with greater productivity in primal cost centers of a business, via integration of the right API’s with governance, risk and compliance.

We advise customers to use the Institute’s first steps which are free of cost through the BTT intelligence subscription sponsored by an SAP business partner – to assess a migration to SAP HANA and S/4…

Step 1 – Educate Sr. Executives who define the business need. Use BTT’s West Trax dashboard “As Is” simulator and examine the dashboard’s “What If” configurator to reduce migration risks.

Step 2 – This June, collaborate in BTT’s exclusive West Trax IT Toolbox Forums & Think Tank. Invite your System Integrator to join the conversation. Discover the Red Hat Results2Advice to run SAP HANA.

Step 3 – Join a private Web meeting with a BTT Institute West Trax pre-sales expert. Explore details about your needs and your system maturity landscape. Receive a proposal to run the affordable exec level Future Readiness Assessment on your smart phone cloud app. Include your services integrator.

Step 4 – Watch the Assessment results pump into your BTT dashboard. Evaluate your system’s maturity status vs. KPI measured best practices. Plan a budget to run the 4 weeks automated technical “deep dive” assessment.
Step 5 – Then, explore more innovation Forums Q&A and Think Tank discussions. Run the “deep dive” assessment with its rules engine Results2Advice. Include your migration services provider, too. Evaluate SAP Solution Extension apps in SAP Expert Series, and ISV partner apps, to justify migration benefits.

3. What are major differences in approaching this subject (SAP HANA / S/4 HANA) in the USA / EMEA?

Answer RF: SAP HANA, whether in Europe or the USA, is simply one of two cornerstones in the SAP Digital Framework. The other cornerstone - SAP Cloud Platform (SCP) - provides all the API’s to efficiently integrate SAP solutions and apps that extend solutions functionality to enhance business productivity.

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That said … S/4HANA contains processes for specific industries, and can be customized with rules and financial requirements for countries in Europe vs. the USA.

This opens the door to quickly accelerate savings and productivity in the largest cost centers of an enterprise … HR, Purchasing, Business Travel, Supply Chain, and eCommerce, plus S/4HANA is required to run SAP Leonardo. Leonardo addresses SAP’s entire cloud footprint and drives the Internet of Things in the 4th Industrial Revolution.

Cloud apps change an enterprise’s accounting practices which can differ country to country. Cloud enables the move from Capital expenditure (CapEx) to Operational Expenditure (OpEx), which impacts out of pocket costs for apps and services that are customized for countries e.g. HR apps, Finance apps.

Throughout 2018, BTT will release a Business Value Realization (BVR) intelligence dashboard for each business cost center on SAP’s Framework. HR and Finance S/4HANA are first up. Each BVR dashboard runs on algorithms that power valuable independent 3rd party benchmarks, such as the West Trax benchmarks for migration assessments. Dashboard benchmarks accommodate applicable global views.

The result …

  1. First, discover intelligence for rapid cost-effective migration assessments to move to SAP HANA & S/4HANA, and assess the FACTS about data customized for your country in your ERP landscape.
  2. Then, migrate and use business challenges intelligence for apps and services on the SAP Framework, to enable Sr. Executives to define their business gaps vs. competitors` best practices.
Experteninterview mit Dr. Christian Lockemann

Drei Fragen an Dr. Christian LockemannExecutive Partner – Your Expert Cluster GmbH, Zirndorf

1. Die aktuellen Themen SAP S/4 HANA, Cloud-Lösung oder nicht, Datenschutzgesetz verlangen den Unternehmen viel Energie, Know-How, Zeit und Ressourcen ab. Was beobachten Sie – packen Unternehmen überwiegend einzelne Aspekte innerhalb ihrer IT- Systeme an – z.B. die Verbesserung einzelner Prozesse – oder wird das große Gesamtbild „the whole picture“ betrachtet, also das System als Ganzes einer Prüfung unterzogen?

Antwort CL: Grundsätzlich beobachten wir bei den Unternehmen die Erkenntnis, dass eine Digitalisierungsstrategie alle Aspekte eines Unternehmens umfasst – Produkte, Fertigung, interne Strukturen – und dass Einzellösungen nur bedingt helfen. Daher ist die Bereitschaft gewachsen, sich mit der Gesamtsituation auseinanderzusetzen. Gerade KMUs wirken dann aber doch gelähmt, weil sie nicht wissen, wo sie mit der Umsetzung beginnen sollen. Die Wahl der Technologie, die von vielen Anbietern des IT- oder des Automatisierungsumfelds empfohlen wird, sollte jedoch erst am Ende eines Prozesses stehen, bei dem zunächst mit einer sorgfältigen Analyse der Kundenanforderungen begonnen wird, daraus mögliche digitale Anwendungen und Services bei Produkten und in der Produktion abgeleitet werden und dann – als Voraussetzung für jegliche Vernetzung – vor allem für saubere Datenstrukturen, also vollständige Stammdaten mit hoher Qualität und Referenzkennzeichen, gesorgt wird. Daraus lassen sich dann neue (oder erweiterte) Geschäftsmodelle entwickeln, und erst dann sollte die technologische Umsetzung gewählt werden ... worin die dann im Einzelnen auch bestehen mag, sei es eine SAP-Lösung, Automatisierungs- und MES-Komponenten, Middleware oder Cybersecurity-Lösungen. Unserer Erfahrung nach reift in den Unternehmen die Erkenntnis, eine derartige strukturierte Vorgehensweise zu wählen.

2. Im Zuge des Datenschutzgesetztes – wie werden Fragen zu Cloud (ja / nein) und Sicherheit wahrgenommen und behandelt? Nur als (lästige) Anforderung, oder gibt es auch Ansätze, diese Themen als Chance zu begreifen?

Antwort CL: Die Offenheit gegenüber Cloud-Lösungen hat bei den Unternehmen in den letzten zwei, drei Jahren deutlich zugenommen, auch bei KMUs. Die Vorteile, auf eigene Server verzichten und auf ausgefeiltere Security-Lösungen zugreifen zu können, als sie bei einer kleinen On-Premise-Installation möglich wären, überzeugen. Bedenken bestehen hinsichtlich der Sicherheit der Daten, insbesondere dann, wenn sie in den USA gespeichert werden (Safe Haven-Problematik), so dass bevorzugt Cloud-Anbieter gesucht werden, die europäische Datenserver nutzen. Diese Thematik verschärft sich durch die neue EU-DSGVO. Cyberangriffe auf IT und OT rücken ins Bewusstsein; man ist sich darüber im Klaren, nur noch dann zuverlässig produzieren zu können und als verlässlicher Anbieter wahrgenommen zu werden, wenn man über angemessene Security-Lösungen verfügt.

3. Als Dienstleister arbeiten Sie sowohl mit mittelständischen und kleinen Unternehmen als auch mit großen Konzernen zusammen. Welche Herangehensweise an Themen wie SAP S/4 HANA können Sie beobachten? Verhalten sich große Unternehmen anders als mittlere und kleine? Wenn ja, in welcher Form? Wenn nein, kann man also sagen, dass mittlere und große Unternehmen derzeit ähnliche Strategien verfolgen?

Antwort CL: Der vollumfängliche Leistungsumfang der SAP-Lösungen war bislang vor allem auf Großunternehmen zugeschnitten. Kleinere Unternehmen taten sich oft schwer und wichen daher auf andere ERP-Anbieter aus. Die neuen, an den Belangen des Mittelstands orientierten Lösungen, etwa SAP Business by Design oder SAP Business One, funktionieren in der Wahrnehmung vieler KMUs tatsächlich (und endlich) gut, und so sind viele dieser Unternehmen erstmals bereit, eine SAP-Lösung zu wählen. Wenn aber dafür die Entscheidung gefallen ist, dann beobachten wir auch eine Bereitschaft, gleich eine Cloud-Lösung zu wählen. Die neuen Mittelstandslösungen sind ohnehin um HANA aufgebaut. Größere Unternehmen bedürfen teilweise eines Anstoßes (z.B. ERP-Harmonisierung als Folge von M&A-Aktivitäten), um ihr ERP-System umzustellen und dann – sanft von SAP gedrängt – S/4 HANA zu wählen.

Experteninterview mit Fritz Mosonyi

Drei Fragen an Fritz Mosonyi, SPP Handelsges.m.b.H., Wien

In welchen Bereichen wird die DSGVO (Datenschutzgrundverordnung) die Entscheidungen von Unternehmen 2018 am stärksten beeinflussen?

Fritz Mosonyi: Wird das Thema ernstgenommen, die zu erwartenden Strafen lassen das annehmen, dann zieht sich Datenschutz durch das gesamte Unternehmen. Am stärksten betroffen sind sicherlich die Bereiche, die die meisten personenbezogenen Daten verwalten. Je nach Branche höchst unterschiedlich ist dies jedenfalls der Bereich HR und der Vertriebs- bzw. Marketingbereich. Diese Bereiche sind die Besitzer der Daten, die IT meist nur Dienstleister. Aus diesen Bereichen muss dann die Anforderung an die IT kommen, für den nötigen und kosteneffektiven Schutz, nach dem Stand der Technik, zu sorgen. Ich bemerke, dass das DSGVO Thema jedoch aus der IT heraus angetrieben wird, also als IT Thema gesehen wird. Die Verantwortung, laut DSGVO, liegt aber eindeutig beim Management. Daher ist vor allem das Management zunächst gefordert, den entsprechenden Rahmen zu schaffen, notwendige Richtlinien zu erlassen und das anstehende Compliance Projekt mit entsprechenden Ressourcen zu unterstützen.

Werden die Unternehmen auf SAP-Tools zur Umsetzung der Kontrollen zurückgreifen (müssen) oder was sind Alternativen?

Fritz Mosonyi: Ja, SAP bietet schon einiges um die Anforderungen der DSGVO zu erfüllen. Jedoch sind SAP Landschaften heute keine einfachen 3-System Landschaften mehr, sondern komplexe Gebilde mit einem ganzen Zoo unterschiedlicher Systeme.

Um gewissen Forderungen der DSGVO gerecht zu werden bedarf es als einen der ersten Schritte einer umfassenden Dokumentation der Datenflüsse anhand der Prozesse. Und diese schließen so gut wie immer verschiedene SAP-Systeme, und auch non-SAP Systeme mit ein. Mit dem dadurch entstandenen Bild – dem Verarbeitungsverzeichnis – lassen sich dann die sogenannten technisch organisatorischen Maßnahmen, die TOMs, anhand der dann bestimmbaren Risiken festlegen.

SAP bietet eine gute Sammlung von Tools und Möglichkeiten innerhalb der SAP Welt. Beim Überschreiten von Grenzen, auch Schnittstellen genannt, selbst innerhalb der eigenen Systemlandschaften, sind diese Werkzeuge mitunter weniger praktisch. Was, wenn die Daten zwar gut geschützt innerhalb des ERPs liegen, aber ein Benutzer jederzeit ein PDF exportieren kann? Schon dieses so simple, wie alltägliche Beispiel zeigt wo die Probleme liegen.

Wird dem Thema Change Management in Unternehmen ausreichend Aufmerksamkeit beigemessen?

Fritz Mosonyi: In manchen Unternehmen ja, in den meisten immer noch: nein. Die steigende Anzahl von Änderungen, die wachsende Komplexität der Landschaften, bei nicht mitwachsender IT-Frau- & Mannschaft und die steigenden Compliance Anforderungen – die DSGVO ist nur eine weitere - alleine schon genügen um eine Automatisierung des Change Prozesses durchzuführen und damit innerhalb kurzer Zeit einen Mehrwert zu erzielen. Neben diesen Anforderungen kommen brandaktuell noch die sehr rasch voranschreitende Digitalisierung und die damit einhergehende weitere Beschleunigung und IT-Durchdringung der Prozesse hinzu, die eine noch größere Abhängigkeit von der IT zur Folge hat.

Experteninterview mit Jörg Tresbach

Drei Fragen an Jörg Tresbach, Prokurist Leitung Informationstechnologie MEWA Textil-Sertvice-Service AG & CO. Management OHG

Was stellt, Ihrer Erfahrung nach, die größte Herausforderung für IT-Entscheider im Umgang mit Ihrem System aktuell dar?

Jörg Tresbach: Entscheidungen für Systeme – gleich welcher Art – sind aus Sicht der IT immer mittel- bis langfristige Entscheidungen. Das Business verändert sich aber immer schneller und deshalb ist die größte Herausforderung, vor dem Hintergrund der Unternehmensstrategie, die richtige Systemauswahl zu treffen.

Konnten Sie in Ihrem Unternehmen schon die Frage beantworten, was Ihre Right Data, also die relevanten Daten im System sind? Und tendieren Sie bei einem Umstieg auf eine Cloud-Lösung eher zum Ansatz Green- oder Brownfield?

Jörg Tresbach: Ob Green- oder Brown-Field ist in erster Linie keine Frage der Cloud. Die Frage ist,

  1. ob die derzeitigen Prozesse gut und auch in Zukunft gut sein werden. Ist dies nicht der Fall muss bei einer Erneuerung der Systeme – Cloud-unabhängig – eher von einem Greenfield-Ansatz ausgegangen werden.
  2. Sofern die Prozesse weitestgehend unverändert bleiben, stellt sich die Frage, ob die Applikationen einer „Renovierung“ bedürfen. Hierbei würde eher ein Brownfield-Ansatz zum Tragen kommen.

Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass bei sehr großen CRM- oder ERP-Projekten die erste Variante zum Tragen kommt.

Welche Parteien (Interne und Externe) sollten Ihrer Meinung und Erfahrung nach mit an den Planungstisch, um eine erfolgreiche Strategie zu erarbeiten?

Jörg Tresbach: Die Richtlinienkompetenz liegt grundsätzlich bei der IT, wir verfahren aber grundsätzlich nach dem Ansatz, die betroffenen Fachabteilungen in die Planungen einzubeziehen.

Experteninterview mit Markus Schümmelfeder

Experteninterview mit Markus Schümmelfeder (Corporate Vice President IT), verantwortlich bei Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG für den Bereich IT Enabling Func&Platform Services

Welche Motivation haben Unternehmen für den Umstieg auf HANA und S/4 HANA?

Markus Schümmelfeder: „Mit der Ankündigung der SAP, die Mainstream Wartung für die SAP Business Suite in 2025 zu beenden, hat sich für Boehringer Ingelheim die Notwendigkeit ergeben, die ERP Roadmap neu zu überdenken. Die nachlassende Innovation in den SAP Business Suite Produkten und die Notwendigkeit zukunftsfähiger Investitionen, erfordert die Entwicklung eines neuen globalen Template auf Basis der S/4HANA Technologie.

Diese Entwicklung kostet Zeit und wird bei Boehringer Ingelheim frühzeitig begonnen, um den sich stetig veränderten Geschäftsanforderungen Rechnung zu tragen, als auch den rechtzeitigen Umstieg zu gewährleisten.

Wichtig ist auch, dass es Chancen für Mitarbeiter eröffnet an einer fortschrittlichen Technologie mitzuarbeiten, bei der alle den gleichen Startpunkt haben oder die Mitarbeiter sogar eine Vorreiterrolle einnehmen können.“


Welche Mehrwerte konnten in Ihrem Unternehmen dadurch bereits realisiert werden?

Markus Schümmelfeder: „Mehrwerte haben wir bisher im Business Warehouse Umfeld gesehen durch signifikante „Runtime“ Verbesserungen gegenüber den Altsystemen. In anderen Bereichen sind wir noch in der Umsetzung sodass es für eine Aussage hier noch zu früh ist.“

Experteninterview mit Prof. Dr. Andreas Pasckert und Prof. Dr. Peter Gordon Rötzel

Experteninterview mit Prof. Dr. Andreas Pasckert von der Hochschule Aschaffenburg und Prof. Dr. Peter Gordon Rötzel

Welche Motivation haben Unternehmen Ihrer Erfahrung nach für den Umstieg auf HANA und S/4 HANA?

Prof. Dr. Andreas Pasckert: „Ein Umstieg auf HANA bietet vor allem Modernisierungs- und Performanceoptionen zur Beseitigung von Engpässen. S/4 HANA verschafft darüber hinaus eine Gelegenheit zum Aufbau strategischer Erfolgspotenziale. Aufgrund der weitgehenden Analyseoptionen von Massendaten sowie einer Möglichkeit zur Beschleunigung und Automatisierung von Transaktionen erhoffen sich Unternehmen die Schaffung wesentlicher Voraussetzungen zur Weiterentwicklung von Geschäftsmodellen, zur Digitalisierung von Geschäftsprozessen sowie zur Transformation von effizienteren Wertschöpfungsprozessen, wie sie im Rahmen des Begriffes Industrie 4.0 diskutiert werden.“

Prof. Dr. Peter Gordon Rötzel: „Die Beweggründe für einen Umstieg sind vielseitig. Oftmals scheuen vor allem mittelständische Unternehmen grundsätzlich die Migration von ERP-Systemen, da hierbei sehr viele Ressourcen gebunden werden und sowohl Kostensteigerungen als auch Terminverzögerungen auftreten können. Daher müssen aus meiner Sicht vor allem vor der Migration essenzielle Ressourcen in die Zielidentifikation und in die konkrete Operationalisierung fließen. Das Potenzial von S/4HANA und HANA ist erheblich, doch es gibt zu wenige Studien, die in der Breite die Erfolgsfaktoren für einen effizienten Umstieg untersuchen – genau da wollen wir ansetzen.“


Was sind Ihrer Erfahrungen nach die größten Herausforderungen von IT-Entscheidern im Umgang mit ihrem System?

Prof. Dr. Andreas Pasckert: „Eine zentrale Herausforderung ist die Sicherstellung von Compliance-Anforderungen. Die wesentliche Stärke von HANA und S/4HANA besteht in der Schaffung einer hohen Transparenz für die Anwender des Systems. Aber genau hierin liegt die Gefahr. IT-Entscheider sollten bei der Rollenzuordnung sehr genau beachten, welchem ERP-Benutzer welche Möglichkeiten am System eingeräumt werden.“

Prof. Dr. Peter Gordon Rötzel: „Das hängt davon ab. Wenn Sie in einer Branche tätig sind, die von einer hohen Marktdynamik und starkem technologischen Wandel gekennzeichnet ist, dann müssen Sie auch Ihr System up to date halten. Einerseits dürfen Sie wesentliche Neuerungen und Innovationen nicht „verschlafen“ (z.B. Cloud-Lösungen, Nutzung des Smartphones für ERP-Lösungen). Andererseits setzen sich einige Innovationen wiederum auch nur sehr schleppend bis gar nicht durch (z.B. Datenbrillen, Virtual Reality). Als IT-Entscheider muss man ständig abwägen, welche technologische Anpassung man mitnehmen sollte. Den entscheidenden Wettbewerbsvorteil bekommt man jedoch nur, wenn man frühzeitig mit seiner IT strategische Erfolgspotenziale heben kann, hierbei Geschäftsprozesse verschlankt und einen besseren Überblick über die „Datenschätze“ in seinem Unternehmen hat.“