Experteninterviews

Experteninterview mit Jörg Tresbach

Drei Fragen an Jörg Tresbach, Prokurist Leitung Informationstechnologie MEWA Textil-Sertvice-Service AG & CO. Management OHG

Was stellt, Ihrer Erfahrung nach, die größte Herausforderung für IT-Entscheider im Umgang mit Ihrem System aktuell dar?

Jörg Tresbach: Entscheidungen für Systeme – gleich welcher Art – sind aus Sicht der IT immer mittel- bis langfristige Entscheidungen. Das Business verändert sich aber immer schneller und deshalb ist die größte Herausforderung, vor dem Hintergrund der Unternehmensstrategie, die richtige Systemauswahl zu treffen.

Konnten Sie in Ihrem Unternehmen schon die Frage beantworten, was Ihre Right Data, also die relevanten Daten im System sind? Und tendieren Sie bei einem Umstieg auf eine Cloud-Lösung eher zum Ansatz Green- oder Brownfield?

Jörg Tresbach: Ob Green- oder Brown-Field ist in erster Linie keine Frage der Cloud. Die Frage ist,

  1. ob die derzeitigen Prozesse gut und auch in Zukunft gut sein werden. Ist dies nicht der Fall muss bei einer Erneuerung der Systeme – Cloud-unabhängig – eher von einem Greenfield-Ansatz ausgegangen werden.
  2. Sofern die Prozesse weitestgehend unverändert bleiben, stellt sich die Frage, ob die Applikationen einer „Renovierung“ bedürfen. Hierbei würde eher ein Brownfield-Ansatz zum Tragen kommen.

Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass bei sehr großen CRM- oder ERP-Projekten die erste Variante zum Tragen kommt.

Welche Parteien (Interne und Externe) sollten Ihrer Meinung und Erfahrung nach mit an den Planungstisch, um eine erfolgreiche Strategie zu erarbeiten?

Jörg Tresbach: Die Richtlinienkompetenz liegt grundsätzlich bei der IT, wir verfahren aber grundsätzlich nach dem Ansatz, die betroffenen Fachabteilungen in die Planungen einzubeziehen.

Experteninterview mit Markus Schümmelfeder

Experteninterview mit Markus Schümmelfeder (Corporate Vice President IT), verantwortlich bei Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG für den Bereich IT Enabling Func&Platform Services

Welche Motivation haben Unternehmen für den Umstieg auf HANA und S/4 HANA?

Markus Schümmelfeder: „Mit der Ankündigung der SAP, die Mainstream Wartung für die SAP Business Suite in 2025 zu beenden, hat sich für Boehringer Ingelheim die Notwendigkeit ergeben, die ERP Roadmap neu zu überdenken. Die nachlassende Innovation in den SAP Business Suite Produkten und die Notwendigkeit zukunftsfähiger Investitionen, erfordert die Entwicklung eines neuen globalen Template auf Basis der S/4HANA Technologie.

Diese Entwicklung kostet Zeit und wird bei Boehringer Ingelheim frühzeitig begonnen, um den sich stetig veränderten Geschäftsanforderungen Rechnung zu tragen, als auch den rechtzeitigen Umstieg zu gewährleisten.

Wichtig ist auch, dass es Chancen für Mitarbeiter eröffnet an einer fortschrittlichen Technologie mitzuarbeiten, bei der alle den gleichen Startpunkt haben oder die Mitarbeiter sogar eine Vorreiterrolle einnehmen können.“


Welche Mehrwerte konnten in Ihrem Unternehmen dadurch bereits realisiert werden?

Markus Schümmelfeder: „Mehrwerte haben wir bisher im Business Warehouse Umfeld gesehen durch signifikante „Runtime“ Verbesserungen gegenüber den Altsystemen. In anderen Bereichen sind wir noch in der Umsetzung sodass es für eine Aussage hier noch zu früh ist.“

Experteninterview mit Prof. Dr. Andreas Pasckert und Prof. Dr. Peter Gordon Rötzel

Experteninterview mit Prof. Dr. Andreas Pasckert von der Hochschule Aschaffenburg und Prof. Dr. Peter Gordon Rötzel

Welche Motivation haben Unternehmen Ihrer Erfahrung nach für den Umstieg auf HANA und S/4 HANA?

Prof. Dr. Andreas Pasckert: „Ein Umstieg auf HANA bietet vor allem Modernisierungs- und Performanceoptionen zur Beseitigung von Engpässen. S/4 HANA verschafft darüber hinaus eine Gelegenheit zum Aufbau strategischer Erfolgspotenziale. Aufgrund der weitgehenden Analyseoptionen von Massendaten sowie einer Möglichkeit zur Beschleunigung und Automatisierung von Transaktionen erhoffen sich Unternehmen die Schaffung wesentlicher Voraussetzungen zur Weiterentwicklung von Geschäftsmodellen, zur Digitalisierung von Geschäftsprozessen sowie zur Transformation von effizienteren Wertschöpfungsprozessen, wie sie im Rahmen des Begriffes Industrie 4.0 diskutiert werden.“

Prof. Dr. Peter Gordon Rötzel: „Die Beweggründe für einen Umstieg sind vielseitig. Oftmals scheuen vor allem mittelständische Unternehmen grundsätzlich die Migration von ERP-Systemen, da hierbei sehr viele Ressourcen gebunden werden und sowohl Kostensteigerungen als auch Terminverzögerungen auftreten können. Daher müssen aus meiner Sicht vor allem vor der Migration essenzielle Ressourcen in die Zielidentifikation und in die konkrete Operationalisierung fließen. Das Potenzial von S/4HANA und HANA ist erheblich, doch es gibt zu wenige Studien, die in der Breite die Erfolgsfaktoren für einen effizienten Umstieg untersuchen – genau da wollen wir ansetzen.“


Was sind Ihrer Erfahrungen nach die größten Herausforderungen von IT-Entscheidern im Umgang mit ihrem System?

Prof. Dr. Andreas Pasckert: „Eine zentrale Herausforderung ist die Sicherstellung von Compliance-Anforderungen. Die wesentliche Stärke von HANA und S/4HANA besteht in der Schaffung einer hohen Transparenz für die Anwender des Systems. Aber genau hierin liegt die Gefahr. IT-Entscheider sollten bei der Rollenzuordnung sehr genau beachten, welchem ERP-Benutzer welche Möglichkeiten am System eingeräumt werden.“

Prof. Dr. Peter Gordon Rötzel: „Das hängt davon ab. Wenn Sie in einer Branche tätig sind, die von einer hohen Marktdynamik und starkem technologischen Wandel gekennzeichnet ist, dann müssen Sie auch Ihr System up to date halten. Einerseits dürfen Sie wesentliche Neuerungen und Innovationen nicht „verschlafen“ (z.B. Cloud-Lösungen, Nutzung des Smartphones für ERP-Lösungen). Andererseits setzen sich einige Innovationen wiederum auch nur sehr schleppend bis gar nicht durch (z.B. Datenbrillen, Virtual Reality). Als IT-Entscheider muss man ständig abwägen, welche technologische Anpassung man mitnehmen sollte. Den entscheidenden Wettbewerbsvorteil bekommt man jedoch nur, wenn man frühzeitig mit seiner IT strategische Erfolgspotenziale heben kann, hierbei Geschäftsprozesse verschlankt und einen besseren Überblick über die „Datenschätze“ in seinem Unternehmen hat.“